Von Dagmar Traxl, April 2026
Das Leben stellt uns immer wieder Fragen, deren Antworten wir allein nicht auf Anhieb finden. Herausforderungen, aber auch Überforderungen wie Krankheit, Schicksalsschläge oder allgemein die momentane Weltlage, die Klimakrise, … lassen uns manchmal verzweifeln. Oft plagen uns Unsicherheit und Ängste, die in solchen Momenten eine natürliche Reaktion darstellen. Wichtig ist jedoch, diese Ängste nicht zu groß werden zu lassen, nicht zu resignieren und dem Negativen nicht so viel Raum zu geben. Sonst könnten wir dem Gedanken verfallen, dass wir sowieso nichts tun könnten.
Nach Viktor E. Frankl, dem Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse haben wir Menschen aber immer die Freiheit, selbst zu bestimmen, wie wir dem Leben begegnen. Ziel sollte sein, diese geistigen Kräfte in uns zu mobilisieren.
Viktor E. Frankl hat hier den Begriff der Trotzmacht des Geistes geprägt. Beim Wort trotzig denken wir vielleicht zuerst an kleine Kinder, die in der Trotzphase richtig schwierig werden, und ihren Müttern, Vätern und Betreuungspersonen jede Menge Geduld abverlangen.
Mit der Trotzmacht des Geistes ist jedoch etwas anderes gemeint. Diese ist ein zentraler Teil der Logotherapie und beschreibt, dass wir Menschen auch in ausweglosen Situationen frei sind, welche Haltung wir einnehmen und wie wir jeden Augenblick damit umgehen. Diese geistige Kraft hilft uns, dem Schicksal zu trotzen und zu entscheiden, wie wir in jedem Augenblick möglichst sinnvoll reagieren. Dieses Trotzdem lässt uns wieder Hoffnung schöpfen.
Gerade auch Viktor E. Frankl selbst, Überlebender von 4 Konzentrationslagern, zeigt eindrucksvoll, wie nach schwersten leidvollen Erfahrungen wieder ein sinnvoll gelebtes Leben möglich sein kann, und er betont auch, dass jeder einzelne von uns sein Kreuz tragen muss, das manchmal größer und manchmal kleiner erscheinen mag.
Wie können wir die Trotzmacht des Geistes praktisch anwenden und uns stärken:
- Mache eine Bestandsaufnahme – was stresst dich im Moment, oder was ist gerade besonders schwer?
- Was an deiner derzeitigen Situation lässt sich ändern, wo kannst du selbst aktiv werden? Mache dir auch bewusst, was du nicht ändern kannst.
- Welches Bild ergibt sich daraus für dich? Wo liegt deine Freiheit?
- Distanziere dich von deiner Situation – was würdest du einer guten Freundin / einem guten Freund raten.
- Wie kannst du deinen Zukunftsmut beleben? Stärke die Zuversicht und schaue bewusst darauf, wie viel Gutes es in deinem Leben gibt