Von Markus Traxl, Feber 2026
Viele Menschen nutzen die Fastenzeit für kleine Veränderungen – z.B. keinen Kaffee oder Alkohol zu trinken oder bewusster mit Social Media oder dem Handy umzugehen. Der Wille zur Veränderung ist gerade bei natürlichen Anfängen – wie es mit dem Aschermittwoch als Beginn der Fastenzeit ist – sehr groß, und das ist immer eine gute persönliche Erfahrung.
Ich möchte heute einen etwas anderen Vorsatz ins Spiel bringen, der einfach und sofort umsetzbar ist, fast nichts kostet und mit einer hohen Wahrscheinlichkeit unser Leben positiv verändert, auf jeden Fall beeinflusst. Neugierig?
Ich schlage vor, dass wir (also du und ich) die Freundlichkeit beleben. Dies klingt möglicherweise banal. Aber freundlich zu sein kann so viel bewirken und Türen öffnen. Lass es uns einfach in den 40 Tagen der Fastenzeit versuchen. Was meine ich damit – wir können, auch wenn unser Leben manchmal schwer ist, oder es gerade große Herausforderungen gibt, trotzdem einen freundlichen Umgang mit uns selbst, unseren Mitmenschen und unserer Umwelt pflegen. Wie hat es Yannick Nèzet-Sèguin so schön gesagt beim letzten Neujahrskonzert 2026:
„Freundlichkeit ist das Wichtigste auf der Welt. Und gerade heute wünsche ich der ganzen Welt ein wenig mehr Freundlichkeit. Immerhin leben wir alle gemeinsam auf diesem Planeten.“
Aber fangen wir bei uns selbst an – niemand ist so streng mit sich selbst, wie wir selbst. Das muss nicht sein – wir haben schon öfter das Zitat von Viktor Frankl erwähnt: „Du musst dir von dir selbst nicht alles gefallen lassen“. Das ist oft so wohltuend und ich schlage vor – geh doch etwas freundlicher mit dir selbst um. Sag der ewigen Selbstkritik ein deutliches „STOPP“ und stärke dich mit positiven, aufmunternden Sätzen wie „das werde ich schaffen“, „das geht sich aus“ oder „heute ist mir viel gelungen“ und gönn dir immer öfter ein Lächeln im Spiegel – das hilft und tut gut.
Freundlichkeit einem Anderen gegenüber können wir ab sofort auch als unseren Vorsatz der Fastenzeit leben. Eine freundliche Begrüßung, auch hier ein Lachen oder Lächeln, ein „Ich wünsche dir einen schönen Tag“ etc. macht den Tag für alle und jeden angenehmer. Das ist im Bus möglich, im Geschäft – gerade hier braucht es mehr Freundlichkeit – oder im Büro – überrasche deine Kollegen und ja dazwischen ist auch ein ehrlich gemeintes „wie geht es dir“ und das Aushalten und im Gespräch bleiben, gefragt, wenn es beim Anderen einmal nicht so läuft. Vielleicht gibst du deinen noch gültigen, gebrauchten Parkzettel an jemanden anderen weiter. Du wirst sehen, du zauberst ein Lächeln auf das Gesicht des anderen, ob der nicht erwarteten freundlichen Geste. Es gibt jeden Tag ganz viele Möglichkeiten, die neue Freundlichkeit zu zeigen und – ja – diese zieht Kreise.
Seien wir auch freundlich zur Natur und unserer Umgebung – wie meine ich das: Es geht auch hier um einen respektvollen Umgang. Beispielsweise kannst du Papiere und Unrat (auch wenn Du diese nicht selbst verursacht hast) aufheben und in den nächsten Mistkübel werfen. Das geht bei einer Wanderung, in der Stadt, aber auch im Stiegenhaus. Am besten ist es natürlich, den Abfall schon gar nicht zu verursachen oder diesen zumindest dann gleich selbst entsorgen – Stichwort Zigarettenstummel- und/oder -papier oder Kaugummi. Ganz nach dem Motto – ich möchte meine Umgebung so hinterlassen, wie ich sie selbst gerne vorfinden möchte (eben auch wenn ich nicht der Verursacher bin).
Ich bin überzeugt, im Tun fallen dir zu jedem dieser drei Felder – du selbst, deine Nächsten und die Natur/Umgebung, unzählige andere Möglichkeiten ein, wie Du die Freundlichkeit beleben kannst.
Und hier komme ich noch einmal zum ersten Absatz zurück. Vielleicht versuchen wir es heuer gemeinsam und lassen uns auf „dieses“ Experiment ein. Starten wir für die 40 Tage (bzw. heuer die 46 Tage) der Fastenzeit eine persönliche Kampagne der Freundlichkeit. Versuchen wir, bis Ostern durchzuhalten, erzählen möglichst vielen Menschen davon und suchen wir uns Erinnerungshilfen, die uns an den Vorsatz erinnern (z.B. ein Post-it auf dem Spiegel im Bad oder als neues Passwort ‚Freundlichkeit‘ am Handy).
Die Freundlichkeit beleben ist einen Versuch wert – ich freue mich, wenn Du dabei bist!