Zuversicht

Von Sabine Seitz, Jänner 2026

Die Fülle an negativer medialer Berichterstattung kann uns verzweifeln lassen. Manche fühlen sich ohnmächtig und sehen pessimistisch in die Zukunft. Andere stürzen sich ins Leben und setzen sich eine rosarote Brille auf.

Optimistisch zu bleiben, ist in vielen Situationen förderlich, z.B. wenn man eine Prüfung ablegen muss und sich gut vorbereitet hat. Doch ausschließlich positives Denken ist nicht ausreichend, unsere Probleme zu lösen. Es verzerrt die Sicht auf die Welt und überdeckt Gefühle. Im Gegenzug dazu im Pessimismus verhaftet zu bleiben, lähmt und kann in eine Abwärtsspirale führen.

Wie wäre es, sich eine zuversichtliche Haltung anzugewöhnen? Die folgende Parabel hat es mir angetan:

Drei Frösche wollten die Welt erkunden. Da fielen sie in einen Topf voll flüssigen Schlagobers. Der optimistische Frosch dachte sich, „Nicht schlimm, irgendwer wird uns hier herausholen und uns retten“. Er wartete und wartete und ertrank. Der pessimistische Frosch jammerte: „Auch wenn wir uns anstrengen, wir sind verloren!!!“. Er sank zu Boden und ertrank. Der dritte Frosch analysierte die Lage und beschloss fest zu strampeln. Voller Zuversicht strampelte er unaufhörlich. So wurde aus dem Schlagobers Butter. Dann konnte er sich mit einem kräftigen Sprung aus dem Krug retten.

Diese kurze Geschichte zeigt auf, wie wir die Kraft der Zuversicht nützen können. Wir verschließen nicht die Augen vor der Wirklichkeit und lassen uns von Problemen nicht lahmlegen. Sondern wir erkunden unsere Spielräume und suchen Möglichkeiten, unser Leben und das menschliche Miteinander zu gestalten.

Ich habe mich gefragt, wie es mir gelingen kann, zuversichtlich zu bleiben.
Bis vor kurzem habe ich immer sofort nach dem Aufstehen die neuesten Nachrichten „gecheckt“ – was für ein Irrsinn den Tag mit Negativmeldungen zu beginnen und beunruhigt aus dem Haus zu gehen. Vor den Zeiten des Internets erreichten nur relevante Nachrichten, die einer gewissen Qualitätskontrolle unterlaufen sind, die Tagesschauen – nun werden wir überhäuft. Ich dachte über meinen Medienkonsum nach. Jedes Nachrichtenmedium verfolgt seine Linie – man will ja seine Leser bei der Stange halten – und entschloss, mich bewusster und aus unterschiedlichen Quellen zu informieren.

Ich habe mir Routinen angewöhnt, um täglich für einige Momente meinen ganz persönlichen Raum zu schaffen. Z.B. stehe ich morgens früher auf, greife nicht zum Smartphone & Co, sondern trinke in Ruhe meinen Kaffee, freue mich über die Klarheit meiner Gedanken und lese einen Text, der die Seele nährt. Mein Tag beginnt mit mehr Vertrauen in das Leben.

Meinen Blick richte ich gezielt auf Meldungen und Entwicklungen, die es nicht in die Schlagzeilen schaffen. Es geschieht tagtäglich viel Positives – Korallenriffe sterben nicht nur ab, sie wachsen an anderer Stelle. Erfreut lese ich über Initiativen, die Leute ergreifen, um ein gutes Miteinander mitzugestalten, sei es Nachbarschaftshilfe; eine Plattform gegen Einsamkeit ins Netz stellen; eine Firma zur besseren Integration von Migranten gründen; Vereine, die sich für Demokratie einsetzen und Workshops organisieren; innovative Technologien für mehr Umweltschutz. Ich erlebe nicht nur korrupte Politiker, sondern nehme auch die vielen Besonnenen wahr.

Ich sehe mir an, was ich in meinem Leben bereits alles gemeistert habe. Ich lese, welche Krisen die Menschheit bereits überwunden hat. Und ich stelle fest, dass Kipppunkte in beide Richtungen ausschlagen können. Wir haben einige Herausforderungen zu meistern und wir können den Ausgang so mancher Entwicklung nicht vorhersehen. Vielleicht werden wir demnächst anders leben, was nicht zwangsläufig schlechter bedeutet, eben nur anders.

Ich will mich nicht lähmen lassen, in dieser allgemeinen Anspannung verweilen, sondern meinen Platz finden, in dem ich mitgestalte.

Auf jeden einzelnen und auf jeden Tag kommt es an, wenn die Nöte unserer Zeit überwunden werden sollen. Und dazu brauchen wir nicht so sehr neue Programme, wie – eine neue Menschlichkeit.“
Viktor E. Frankl

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