Sicherheit und Kontrolle versus Vertrauen

Von Julia Radinger, Juni 2026

Ich würde gerne mit dir gemeinsam meinen Blick auf drei wichtige Lebensthemen richten: Sicherheit, Kontrolle und Vertrauen.

Sicherheit ist ein Bedürfnis, das wir von klein auf suchen und brauchen. Schon als Babys sind wir auf Bezugspersonen angewiesen, die uns versorgen, beschützen und uns das Gefühl geben: Ich bin sicher.

Ich glaube, dass wir Menschen immer wieder nach Sicherheit suchen. Gerade weil das Leben nicht immer planbar ist, brauchen wir Dinge, die uns Halt geben. Manchmal sind es kleine Rituale im Alltag: ein vertrauter Morgenablauf, bestimmte Gewohnheiten, wiederkehrende Gespräche, Orte oder Menschen, die uns vertraut sind. Solche Routinen können wie kleine Anker sein, besonders dann, wenn das Leben unübersichtlich wird.

Auch Kontrolle kann zunächst beruhigend wirken. Wenn ich Dinge plane, ordne oder absichere, entsteht schnell das Gefühl, mehr Einfluss auf das zu haben, was geschieht. Bis zu einem gewissen Punkt kann Kontrolle Orientierung geben. Doch sie hat auch Grenzen. Nicht alles, was mir wichtig ist, lässt sich festhalten. Nicht alles Lebendige lässt sich planen.

Besonders deutlich wird das in Beziehungen. Dort kommen wir mit Kontrolle nicht wirklich weiter. Eine Beziehung kann sich kaum vertiefen, wenn sie vor allem von Absicherung, Misstrauen oder ständiger Überprüfung getragen ist. Beziehung braucht eine andere Grundlage: Vertrauen.

Vertrauen bedeutet für mich nicht, naiv zu sein oder alle Unsicherheiten auszublenden. Vertrauen bedeutet, mich auf einen Menschen einzulassen, obwohl ich nicht alles wissen und nicht alles garantieren kann. Vertrauen ist für mich etwas Existenzielles, weil ich es zum Leben brauche. Wenn ich nur nach Sicherheit und Kontrolle lebe, entferne ich mich auf Dauer nicht nur von anderen Menschen, sondern auch von mir selbst.

Nicht jeder Mensch ist mit Erfahrungen aufgewachsen, die Vertrauen leicht machen. Wenn Sicherheit in der Vergangenheit gefehlt hat, kann Kontrolle manchmal wie ein Schutz wirken. Dann braucht es Zeit, neue Erfahrungen und oft auch die behutsame Auseinandersetzung mit sich selbst. Denn Vertrauen in andere hängt häufig auch mit Selbstvertrauen zusammen: mit dem Gefühl, mir selbst Halt geben zu können, meine Grenzen wahrzunehmen, gut für mich einzustehen und vielleicht auch mit der leisen Gewissheit, dass uns das Leben im Letzten trägt.

Vielleicht lohnt es sich, sich selbst ehrlich zu fragen: Wo gibt mir Sicherheit wirklich Halt und wo versuche ich durch Kontrolle etwas festzuhalten, das eigentlich Vertrauen bräuchte?

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